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Alles läuft schief in unserer Familie. Meine Frau schafft den Haushalt nicht mehr. Alles ist ihr zu viel. Sie macht auch alles falsch: Sie lässt das Essen anbrennen, legt ihre Brille in den Kühlschrank und das Besteck in den Wäschekorb. Ich denke schon seit einiger Zeit, dass sie depressiv ist, aber manchmal habe ich Angst, dass es noch etwas anderes ist. Ich schäme mich wegen der komischen Sachen, die sie macht. Ich traue mich nicht, mit jemandem darüber zu reden. Darum gehen wir nicht mehr aus und laden auch keine Freunde mehr ein.
Vielleicht liegt hier eine Depression oder doch eine beginnende Demenz vor. Vielleicht ist es eine beginnende Demenz mit einer Depression, was häufig vorkommt. Wenn Menschen spüren, dass sie Fähigkeiten verlieren, kann das eine Depression auslösen. Besprechen Sie das Problem mit Ihrem Hausarzt. Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig, damit der Betroffene die richtige Hilfe erhält.
Sowohl Depressionen als auch Demenz gelten noch als Tabuthemen. Man schämt sich, darüber zu reden. Das ist jedoch nicht nötig, denn beides sind Krankheiten. Wenn man nicht mehr ausgeht und soziale Kontakte meidet, isoliert man sich. Um für jemand sorgen zu können, braucht man aber die Unterstützung des Umfelds. Sonst hält man das nicht aus. Darüber zu reden kann eine Erleichterung sein. Überlegen Sie, wem Sie in Ihrem Umfeld, Ihrer Verwandtschaft oder Ihrem Freundeskreis am meisten vertrauen. Man muss auch nicht alles auf einmal erzählen.
Erzählen Sie erstmal nur ein bisschen und schauen Sie dann, wie Ihr Ansprechpartner damit umgeht. Im Laufe der Zeit werden Sie feststellen, wer Ihnen gut zuhören kann und wer nicht. Offenheit ist auch für den Betroffenen selbst wichtig. Er braucht kein Mitleid, sondern Verständnis und Unterstützung. Angehörige und Freunde, die zunächst nicht wissen, wie sie reagieren sollen, werden allmählich lernen, wie sie am besten mit dem Betroffenen umgehen. Das Tabu zu durchbrechen ist eine Aufgabe, die letztlich allen zugutekommt.
Ich spüre, dass mit Mutter mehr los ist und sie nicht nur vergesslich ist. Sie rief mich an, um mir vorzuwerfen, dass sie mich schon wochenlang nicht gesehen hätte, obwohl ich sie am Tag vorher besucht hatte. Wir kommen jeden Sonntag zum Mittagessen zu ihr. Als wir sie am letzten Sonntag besuchten, hatte sie nichts gekocht. Als ich ihr vorschlug einen Arzt zu besuchen, gab es Streit und sie fing an zu weinen.
Wenn man nicht mehr weiß, dass die Kinder zu Besuch waren oder wichtige Termine vergisst, zeigt das tatsächlich, dass etwas nicht in Ordnung ist. Menschen haben jedoch häufig Angst, mit der Wirklichkeit konfrontiert zu werden und entscheiden sich für ein Vogel-Strauß-Verhalten. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Das nagende, unbehagliche Gefühl lässt aber nicht nach. Es ist jedoch keine Lösung, die Betroffenen zu einem Besuch beim Arzt zu zwingen. Nur dann, wenn man viel Verständnis für ihre Ängste aufbringt, kann man sie darauf ansprechen. Sie können versuchen, sie zur Einsicht zu bringen, dass eine Untersuchung nicht unbedingt zur Diagnose „Demenz“ führen muss. Vielleicht gibt es eine andere Ursache für die Symptome (Entzündung, Zuckerspiegel, falsche Medikation, Schilddrüse ...) Sie können sagen, dass Sie an ihrer Stelle genauso viel Angst hätten.
Ich fühle mich schon eine ganze Weile nicht wohl. Ich war schon immer etwas zerstreut, aber jetzt wird es langsam extrem. Wenn ich meinen Kindern sage: „Vielleicht werde ich dement?“, wollen sie nichts davon hören. Sie sagen, dass ich mir etwas einbilde und mir nicht so schnell Sorgen machen soll.
Vielleicht haben die Kinder Recht, vielleicht ist Ihre Sorge dement zu werden aber auch begründet. Auf jeden Fall macht es keinen Sinn, das Problem herunterzuspielen oder sich gegenseitig etwas vorzumachen. Wenn Sie sich wirklich Sorgen machen, wird es Sie nicht beruhigen, wenn das unbehagliche Gefühl einfach beiseitegeschoben wird und man zur Tagesordnung übergeht. Versuchen Sie daher, Ihren Kindern deutlich zu machen, weshalb Sie beunruhigt sind. Sagen Sie ihnen, was in letzter Zeit schief gelaufen ist. Die Kinder können nicht entscheiden, ob Sie dement sind oder nicht. Das muss der Arzt tun. Ihre Kinder können Sie jedoch zum Arzt begleiten und Ihren Wunsch, sich untersuchen zu lassen, unterstützen.
Mein Freund verhält sich in letzter Zeit sehr komisch. Er kann seine Hobbys nicht mehr betreiben und kommt im Haushalt nicht mehr allein zurecht. Er merkt das auch selbst und sitzt nur noch weinend herum.
Grund für dieses Nichtfunktionieren kann eine Form von Demenz, oder auch eine Depression oder ein anderes Krankheitsbild sein. Hier ist eine fachmännische Untersuchung angebracht.
In der Zwischenzeit ist es wichtig, dass Sie Ihrem Freund Verständnis entgegenbringen und ihn unterstützen. Sie können ihn unterstützen, indem Sie für ihn unauffällig sorgen. Sie können bestimmte Arbeiten für ihn erledigen und den Haushalt organisieren. Erwarten Sie nicht zu viel von ihm, erteilen Sie ihm kleine Aufträge und werden Sie nicht sauer, wenn diese nicht richtig ausgeführt werden. Sie unterstützen Ihren Freund auch, indem Sie ein Gefühl von Sicherheit erzeugen und beispielsweise sagen: „Wenn du allein nicht mehr gut zurechtkommst, kannst du dich auf mich verlassen.“ Verständnis kann man zeigen, indem man auf die Trauer eingeht. Spielen Sie die Sorgen und Ängste nicht herunter, und sagen Sie nicht, dass alles nicht so schlimm ist, sondern hören Sie aufmerksam zu. Man kann und muss nicht immer eine Antwort oder eine Lösung parat haben. Trauer darf einen Platz im Leben haben.
Wir haben es bereits eine ganze Weile gemerkt, aber jetzt wird es immer offensichtlicher: Vater wird dement. Er glaubt, dass Mutter ein Verhältnis mit dem Nachbarn hat. Er verdächtigt die Kinder, dass sie ihn bestehlen. Er glaubt, dass alle schlecht über ihn reden und ihn schikanieren wollen. Das stimmt aber nicht, alle mögen ihn sehr.
Auch in diesem Fall möchten wir darauf hinweisen, dass man – solange keine Diagnose gestellt wurde – eigentlch nicht sagen kann, dass Sie es mit einer Demenz zu tun haben. Das beschriebene Verhalten kommt allerdings häufiger bei einer beginnenden Demenz vor. Die betroffene Person spürt, dass sie die Kontrolle über ihr Leben verliert. Sie kann Wahrnehmungen nicht mehr richtig einordnen und wird sich bewusst, dass sie sich auf ihr Urteilsvermögen nicht länger verlassen kann. Das ist sehr bedrohlich. Je mehr Sie versuchen, die betroffene Person vom Gegenteil zu überzeugen, desto größer wird ihr Misstrauen. Versuchen Sie Vertrauen aufzubauen, indem Sie sie an allem beteiligen. Führen Sie keine Gespräche „über ihren Kopf hinweg“. Sorgen Sie dafür, dass der Betroffene versteht, was gesagt wird und fragen Sie ihn nach seiner Meinung. Lassen Sie ihn spüren, dass er noch etwas zu sagen hat und dass Sie seine Meinung berücksichtigen, denn das ist die Grundlage für Vertrauen.
