Ich sorge für meinen Mann, der an Demenz erkrankt ist. Es ist für mich zu schwer, alles allein zu erledigen. Auf Empfehlung meiner Kinder haben wir uns an einen Heimpflegedienst gewandt. Wenn die Pflegerin kommt, weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll. Sie ist eine fremde Frau, die in die Privatsphäre unserer Familie eindringt. Ich achte ständig darauf, was sie tut, und meiner Meinung nach macht sie vieles falsch. Auch ihr Ton gegenüber meinem Mann stört mich. Ich weiß, dass ich sie brauche. Ich weiß auch, dass sie versucht, ihre Arbeit gut zu machen. Ich traue mich deshalb nicht, sie zu viel zu kritisieren.   

Jemand, der Ihnen im Haushalt aushilft, stellt tatsächlich eine Bedrohung dar. Ihr Haus, in dem Sie sich sicher und geborgen fühlten, wird auf einen Schlag zu einem öffentlichen Bereich. Außerdem kann niemand so gut für Ihren Partner sorgen wie Sie selbst.  

Gleichzeitig wissen Sie jedoch, dass Sie diese Menschen brauchen. Sie sind daher von dieser Hilfe abhängig, und das ist kein schönes Gefühl.  Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass es den Helfern vielleicht genauso geht? Sie versuchen, ihre Arbeit gut zu machen und haben die gleichen Zweifel wie Sie: Ist meine Hilfe optimal?  Es kann helfen, die vielen Fragen, Zweifel und Erwartungen zum Ausdruck zu bringen und zu verdeutlichen. Sie dürfen ruhig sagen, was Sie erwarten und was Ihre Bedürfnisse sind. Ein kleines Ärgernis wird zum unüberwindbaren Hindernis, wenn es verschwiegen wird.

Auf ihrem Sterbebett versprach ich meiner Mutter, dass ich immer für Vater sorgen würde. Meine Eltern haben sehr viel für mich getan. Deshalb fühle ich mich jetzt verpflichtet, für sie zu sorgen. Ich fühle mich allein schon beim Gedanken schuldig, meinen Vater in einem Alten- und Pflegewohnheim unterzubringen.  Ich merke jedoch, dass ich es nicht mehr lange aushalte. Ich habe Angst, dass ich in ein schwarzes Loch fallen werde, wenn ich es nicht mehr schaffe.

Die Pflege eines Menschen mit Demenz ist so schwer, dass man es allein manchmal nicht mehr schafft. Die häusliche Pflege hat ihre Grenzen. Gut für jemanden zu sorgen, heißt nicht, dass Sie allein die Pflege übernehmen müssen, sondern, dass Sie die Verantwortung übernehmen, dass der Betroffene angemessene Hilfe erhält. Vielleicht muss der Demenzbetroffene dazu in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht werden.   

Sie müssen jetzt nicht mehr alles allein erledigen, sondern können sich auf die Momente freuen, in denen Ihrer Meinung nach ein optimaler Kontakt mit Ihrem Vater möglich ist. So entsteht eine Situation, von der beide profitieren.

Am Anfang fiel es mir sehr schwer, meinen Vater im Alten- und Pflegeheim zu besuchen. Ich fühle mich dort jedoch mehr und mehr zu Hause. Ich kenne alle Mitarbeiter und habe einen guten Kontakt mit den anderen Bewohnern und ihren Angehörigen. Wir sind wie eine große Familie.   

Wenn alle Erwartungen und Gefühle auf eine ehrliche und respektvolle Weise zum Ausdruck gebracht werden, kann das Zusammenleben in einem Alten- und Pflegeheim sehr schön sein. Sie haben Schicksalsgenossen und verstehen die Trauer der anderen. Sie lernen voneinander, um die Probleme zu bewältigen. Dies schafft ein starkes Band, das Sie unterstützen wird, wenn es eines Tages vielleicht noch schwieriger für Sie wird.

Zunächst kam die Putzfrau einmal pro Woche. Jetzt kommt sie zweimal pro Woche. Ein Notruf wurde installiert (Telealarm). Der Pflegedienst kommt zweimal täglich, das Mittagessen wird wochentags vom „Repas sur roues“-Dienst geliefert. Es scheint, als ob jeder frei hereinspazieren kann. Ich wohne zu weit weg, um meine Mutter täglich zu besuchen.  Deshalb müssen wir so viel Hilfe wie möglich in Anspruch nehmen, damit sie zu Hause wohnen bleiben kann. Ich weiß nicht mehr, wie viele Personen einen Hausschlüssel haben.   

Zunächst wehrte sich meine Mutter gegen die Einmischung von außen, mittlerweile hat sie sich daran gewöhnt. Jetzt genießt sie die viele Aufmerksamkeit. Meine Brüder sind nicht damit einverstanden. Sie glauben, dass man viel effizienter vorgehen könnte und dass für einen Einpersonenhaushalt nicht jeden Tag jemand vorbeikommen muss. Auch finden sie die Idee einer Tagesstätte abwegig. Sie sind der Meinung, dass man nicht jemanden dafür bezahlen muss, um mit unserer Mutter spazieren zu gehen, Kaffee zu trinken oder ein Gesellschaftsspiel zu spielen.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird es für Menschen mit Demenz schwer, selbstständig zu wohnen. Zum Glück ist die Heimpflege in Luxemburg gut organisiert. Am Anfang wehren sich viele Menschen gegen die externe Hilfe. Das ist auch verständlich, denn es konfrontiert sie erneut mit ihrem Unvermögen, alles selbstständig zu erledigen. Wenn das Vertrauen zu den Pflegern jedoch wächst, schwindet der Widerstand. Geschwister, die nicht mit der Hilfe von außen einverstanden sind, stellen ein anderes Problem dar.   

Es ist sehr wichtig, alle Beteiligten zusammenzubringen, sodass jeder seine Erwartungen für sich selbst und die anderen deutlich macht und ausspricht. Es ist wichtig, dass jeder seine Ansichten zu den Bedürfnissen des Menschen mit Demenz zum Ausdruck bringen kann. Erst danach können mit den Heimpflegediensten Vereinbarungen getroffen werden, mit denen alle einverstanden sind.

Mein Vater ist in der letzten Krankheitsphase. Auch physisch ist er sehr krank. Er ist bettlägerig, öffnet seine Augen kaum noch, sagt nichts und isst oder trinkt fast nicht mehr. Ich kann nicht viel tun, um ihm zu helfen, ich habe jedoch noch immer das Bedürfnis, bei ihm zu sein. Es wird nicht mehr lange dauern, bis er stirbt.   

Der Krankheitsprozess ist unumkehrbar und der Tod ist unabwendbar. Im Laufe des Krankheitsprozesses hatten Sie schon viele Verlusterfahrungen und Sie haben schon viele Male Abschied genommen. Auch wenn wir alle wissen, dass das Sterben zum Leben gehört, fällt uns dieser Moment schwer. In dieser letzten Phase haben Sie jedoch noch eine wichtige Aufgabe: Auch, wenn Ihr Vater nichts mehr sagt oder Ihren Namen nicht mehr kennt, wird Ihre herzliche, liebevolle Anwesenheit ihn beruhigen und es ihm erleichtern, das Leben loszulassen. Sie können sich an sein Bett setzen und ihn berühren, seine Hand festhalten, leise summen, von gemeinsamen Erlebnissen erzählen, ihm vorsichtig ein wenig Wasser einflößen und ab und zu auch loslassen und weggehen.