Verlauf

Der Verlauf einer Demenz ist individuell. Die Demenzformen ähneln sich aber oft im Auftreten der einzelnen Symptome. In den meisten Fällen stellen sie einen chronisch verlaufenden Prozess dar, in dem nach und nach diverse Fähigkeiten verloren gehen. Bei manchen Demenzformen kann der Verlauf aber auch schubweise voranschreiten.

Obwohl die Entwicklung der Demenz bei den Betroffenen sehr unterschiedlich verläuft, wird die Demenz in drei verschiedene Stadien oder Schweregrade eingeteilt. Diese Einteilung dient als Grundlage für die Bestimmung der medikamentösen Behandlung, aber auch für die Bestimmung der nicht-medikamentösen Therapie, welche auf dem Zustand und den Bedürfnissen des Menschen mit Demenz aufbaut. Die Einteilung in die verschiedenen Stadien ist oftmals auch eine Hilfe für den Angehörigen. Wenn er das jeweilige Stadium des Erkrankten kennt, kann er dessen Verhalten leichter verstehen und so besser auf seine Bedürfnisse, Ängste und Gefühle eingehen.

1.   Stadium Leichte Demenz / Frühstadium

Am Anfang verändert sich wenig. Die ersten Symptome sind schwach ausgeprägt und werden von der Umwelt kaum bemerkt. Anfangs büßen Betroffene vor allem Fähigkeiten seitens des Kurzzeitgedächtnisses ein. Während vergangene Erlebnisse, Namen und Daten einwandfrei in Erinnerung kommen, können kleine, erst vor kurzem aufgenommene Informationen und Absprachen nur schwer behalten werden. Auch nimmt die zeitliche und räumliche Orientierung ab, und die Betroffenen können sich schwer in einer neuen Umgebung zurechtfinden.  Wochentage und Daten werden ebenfalls leicht verwechselt. Anfangs merken die Betroffenen, dass etwas nicht stimmt und sie versuchen, die Defizite auszugleichen. Aus Angst und Scham für ihre Unzulänglichkeiten ziehen sie sich in diesem Stadium oftmals vom Gesellschaftsleben zurück. Zunächst muss die Lebensqualität der Betroffen nicht schlechter werden, und das erste Stadium kann sich über viele Jahre hinziehen. Nach und nach aber nehmen die Symptome zu. Ein selbstständiges Leben und die Bewältigung des Alltags werden schwieriger.

2.   Mittleres Stadium

Mit dem Fortschreiten der Demenz wird es immer schwieriger sich zu erinnern. Zusehends werden Ereignisse, die am Anfang der Erkrankung noch behalten wurden, durcheinandergebracht oder vergessen. Auch eine vertraute Person und Namen werden verwechselt und können nicht mehr spontan abgerufen werden. Die Orientierungsschwierigkeiten nehmen zu. Es kann passieren, dass die Betroffenen die Zimmer in der eigenen Wohnung nicht mehr finden. Außerhalb des Hauses besteht die Gefahr, dass sie sich verlaufen. Mit zunehmender Erkrankung geht auch die Eigenversorgung zurück. Die Körperhygiene wird vernachlässigt und die Handlungsabläufe im Alltag werden nicht mehr gemeistert. Bereits ab dem mittleren Stadium kann es zu Inkontinenz kommen. Ein selbstbestimmtes Leben wird für den Betroffenen ab einem bestimmten Punkt nur noch mit Unterstützung anderer Menschen möglich.

3.   Stadium Schwere Demenz / Endstadium

Mit dem Fortschreiten der Demenz über die Jahre hinweg gehen das Gedächtnis und das Denkvermögen fast komplett verloren.  Die an Demenz erkrankte Person benötigt von nun an eine dauerhafte Hilfe und Betreuung sowie eine ständige Beaufsichtigung. Im Endstadium sind die kognitiven Beeinträchtigungen so stark, dass Gedankengänge nicht mehr nachvollziehbar kommuniziert werden können. Ehepartner und Kinder werden nicht mehr erkannt. Eine zeitliche und örtliche Orientierung ist meistens nicht mehr möglich. Körperliche, vitale Funktionen wie Kontinenz sind entscheidend beeinträchtigt. Die Fähigkeit, selbstständig zu essen oder zu trinken, ist fast ganz verschwunden. Die Betroffenen sind bettlägerig und nehmen weder die Umgebung noch sich selbst wahr.
Am Ende führen meistens Begleiterscheinungen der Immobilität (z.B. eine Lungenentzündung) oder eine Altersschwäche (z.B. Herzstillstand) zum Tod.